Ein gewisser “Frank”
… hat mir heute geschrieben. Neugierig öffnete ich den Brief, ein grinsendes Gesicht eines älteren, bebrillten Mannes war auf dem Briefkopf abgebildet.
Post aus Berlin!
Bis zum Satz “Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Lehren aus dieser Krise zu ziehen.” erntete der Brief nur Kopfnicken.
Doch dann die Überraschung: Er fordert eine stärkere staatliche Aufsicht des sowieso schon massiv staatlich kontrollierten Finanzwesens. *Kopfschütteln von mir: Ein kaputtes System sollte man abschaffen, nicht es noch weiter belohnen!*
Anschließend verbietet er Zweifel an dem etwas kryptischen Satz “Die Wirtschaft ist für die Menschen da.”
Ich überlege kurz, was ist eigentlich die Definition von Wirtschaft und was bedeutet eigentlich die Redewendung “X ist für Y da”. Bei letzterem fallen mir Nutztiere ein. Die Kuh ist für den Menschen da. Richtig, also dürfen wir sie melken. Aber was ist die Wirtschaft? Erstens gibt es nicht “die Wirtschaft”, sie kann also für nichts “da” sein. Wirtschaft ist ein Sammelbegriff der individuellen, frei ausgehandelten Verträge zwischen den Menschen. Da in seinem Satz mit “Menschen” wohl alle Menschen gemeint sind, heisst das letztlich, dass auf Verträge, die zwei Personen miteinander freiwillig abschließen, andere ebenfalls Anspruch haben. Das ist schon recht weit hergeholt. Aber Zweifel verbietet er ja.
Der nächste Absatz könnte in jedem Wahlprogramm stehen, er soll wohl dazu dienen, den Leser von dem etwas verwirrenden Sätzen zuvor wieder etwas einzulullen.
Dann wieder der Schocker: Für wirtschaftliche Stärke müssen wir die Vertragsfreiheit weiter einschränken!
Ich kann bereits erahnen, was im nächsten Absatz steht. Richtig, “ohne Arbeit gibt es keinen Wohlstand und keine Sicherheit.”. Ich fühle mich wieder verstanden. Meine Ruhe wird aber im selben Absatz gestört, jetzt hagelt es seltsame Thesen im Akkord: Kinder sollen eine erstklassige Ausbildung unabhängig vom Einkommen der Eltern bekommen!
Was heisst den erstklassig? Nun. Eine erstklassige Ausbildung lässt sich ganz leicht herstellen: Jeder bekommt einfach dieselbe Ausbildung, dann gibt es nur eine Klasse, die dann selbstverständlich die erste ist ![]()
Sehr klug dieser Mann.
Allerdings runzelt sich mir auch die Stirn. Ernsthaft betrachtet sieht es momentan so aus, dass Grund- und weiterführende Schule Schüler nicht unbedingt nach ihrer Leistung verteilt. Es gibt unterforderte Schüler, nach neuen Studien gibt es in Schulen Vorurteile gegenüber Vornamen und natürlich gegenüber Ausländer. Warum sollte man solchen, durch das System benachteiligten Schülern nicht erlauben, mithilfe ihrer Eltern eine Schule zu besuchen, die ihrer Meinung nach besser geeignet ist?
Dann folgt etwas blabla. Interessant nur der Satz “Überlassen Sie Ihre Zukunft nicht anderen.” Orly, ok, dann möchte ich bitte freie Schulwahl, private Rentenversicherung, private Gesundheitsversicherung etc., danke.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Clemens Lode
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